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Aus der Geschichte unserer Gebäude

Die Kuhkapelle im Schloss von Boos.


Beim Begriff der „Kuhkapelle“ denken die meisten vermutlich an eine kleine, ländlich, zwischen Kuhweiden gelegene Kapelle. Tatsächlich bezeichnet das Wort einen Kuhstall, dessen meist großer Erdgeschossraum mit einem von Säulen oder Pfeilern getragenen Kreuzgratgewölbe überspannt ist.


Mit den großen Umbrüchen in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, als viele Landbewohner in die Städte gingen, um in der aufkommenden Industrie ihr Glück zu suchen, wurden auch Ackerbau und Viehwirtschaft neu strukturiert. Stallhaltung sollte die Viehzucht und deren Erträge steigern. In den großen Obergeschoss- und Dachräumen oberhalb des Stalles wurde Heu als Winterfutter gelagert, was allerdings eine entsprechend große Brandgefahr mit sich brachte. Um diese zu verringern, setzte man folglich auf eine Bauweise, die ohne hölzerne Bauteile in den Wänden, den Stützen und den Decken auskam. Ideengebend mögen die, seit der Säkularisation am Beginn des Jahrhunderts, funktionslosen Klöster gewesen sein, bei denen vielerorts leerstehende Gebäude zu Ställen für Pferde, Kühe und Schweine umgenutzt worden waren.


Größte Verbreitung fanden die Kuhkapellen in Rheinhessen, dort heute auch Weingewölbe genannt, weil die Ställe mittlerweile häufig zu Weinstuben umfunktioniert wurden.


Im Schloss in Boos gibt es ebenfalls eine solche Kuhkapelle. Interessanterweise war es ausgerechnet der eigentliche Kernbau der Schlossanlage – ehemals ein Renaissance-Schlösschen mit Türmchen, Erkern und Ziergiebeln, den man (aus bisher unbekannten Gründen) in den Jahren 1859/60 zu einem solchen Stall umgebaut hat.


Bildnachweis historisches Foto mit Kühen:

Schlatterer, Herbert: Heimatbuch Boos. Band 1. Boos 2020.

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