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Kunstvolle Verzierungen als Zeitzeugen traditioneller Zimmermannskunst

Am Beispiel Fuggerschloss Boos:


Das alte Zimmererhandwerk ist bekannt für seine aufwendigen Verzierungen, die bis heute bewundert werden. Diese Verzierungen wurden in reiner Handarbeit gefertigt und sind meist in historischen und denkmalgeschützten Gebäuden zu finden.


Oft wurden diese Verzierungen auch in Räumen angebracht, die „nur“ als Lagerfläche dienten, wie zum Beispiel im sogenannten „Kornkasten“ im Fuggerschloss in Boos. Das Kehlbalken-Sparrendach mit drei Geschossen wurde 1686/87 errichtet und diente als Kornspeicher. Auffällig ist hier die künstlerische Gestaltung der Stuhlständer als Seilhiebe mit abgerundeten Kreuzschlägen im ersten Dachgeschoss.

Obwohl diese Verzierungen auf den Dachtragwerken nach außen hin nicht sichtbar waren, wurden sie dennoch angebracht. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass Arbeitskräfte bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts preiswert waren, während das Material teuer war. Der wohlhabende Bauherr wollte daher eine exklusive Gestaltung, die sein Gebäude von anderen unterschied. Weiter waren diese Verzierungen nicht nur Dekoration, sondern auch ein Zeichen für das Können des Handwerkers. Sie erregten Aufsehen und zogen auch neue Aufträge an Land.


Der Seilhieb ist ein kunstvolles Zierelement, das meist an Pfosten und Stützen zu finden ist. Seinen Namen verdankt es den Einschnitten, die wie Windungen eines Seiles das Holz umgeben. Diese Einschnitte sind jedoch auch eine Schwäche des Holzquerschnitts, da Krafteinwirkungen immer über eine Querschnittsfläche abgeleitet werden müssen.

Bei einer Restaurierung oder Umnutzung historischer Gebäude kann dies zu Problemen führen. Denn höhere Nutzlasten bedeuten auch eine größere Belastung der Konstruktion. Oft können die alten Stützen den Anforderungen moderner Normen nicht mehr entsprechen und müssen daher durch zusätzliche konstruktive Ergänzungen wie Stützen verstärkt werden, um erhalten zu bleiben.


Auch heute werden diese Verzierungen noch sehr geschätzt und bewundert. Sie stellen einen essentiellen Aspekt der Handwerkskunst dar und dienen als Erinnerung an vergangene Epochen, in denen handwerkliches Geschick und künstlerische Fertigkeiten einen sehr hohen Stellenwert genossen.




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